Uli Hoeneß von Sané, BVB und der Bundesliga

Herzlichen Glückwunsch, Herr Hoeneß, Sie sind jetzt bereit für das Museum. Die Hosen, die Sie bei der WM 1974 gegen die DDR tragen, sind im Haus von Günther Grass in Lübeck ausgestellt. Sammeln Sie selbst Souvenirs?

Überhaupt nicht. Es gibt zwei oder drei Fotos von jungen Leuten im Keller. In der Küche ein Bild mit einer Widmung von Pep GuardiolaSonst sieht man in meinem ganzen Haus nicht, dass ich aus dem Fußball komme.

Unser Gespräch ist eine Art Jubiläumsinterview. Vor fünfzig Jahren, bei einem 1: 1-Unentschieden in Stuttgart am 15. August 1970, haben Sie in der 18. Hälfte des Jahrhunderts Ihr Bundesliga-Debüt gegeben. Bayern München – Sie wollten 1860 landen.

Zu dieser Zeit kam der CEO von Löwen Meyerbock jeden zweiten oder dritten Sonntag zu uns nach Ulm, bis Bayern es nie angekündigt hatte. Zum Paul Breitner und ich wusste, dass wir beide auf sechzig gehen würden. Kurz vor der Unterzeichnung nahm uns Udo Lattek während eines Kurses für eine Jugendmannschaft beiseite: Warten Sie, bald wird etwas passieren. Einige Wochen später wurde er Bayerns Trainer. Und wir gingen nach Bayern.

Damals war der Fußball auch an der Spitze der Bundesliga noch regional geprägt. Gladbacher kamen aus Gladbach, die Bayern aus Bayern, meist aus Ulm.

Ja. Es gab keine Übertragungen wie heute. Und man konnte nur zwei Ausländer haben.

Heute werden die Kleinen nicht mehr Fans ihres lokalen Vereins, sondern sofort aus Liverpool oder Barcelona. Oder Bayern. Entwurzelt das Fußball?

Dies liegt daran, dass sie nur die großen Clubs im Internet und anderswo sehen. Ich denke, wenn wir uns in zehn Jahren wieder unterhalten, wird sich der Fußball wieder ziemlich verrückt verändern. All dieses elektronische Zeug, der elektronische Sport und all das machen mir wirklich Angst.

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Warum?

Ich habe mein ganzes Leben als Junge getreten. Ich kam von der Schule nach Hause, aß schnell und ging dann mit dem Ball zum Rasen oder Hinterhof unseres Metzgers und trat gegen das Garagentor, bis es dunkel wurde. Im Alter von 13 Jahren rettete ich einen neuen Ball, einen Suchscheinwerferball in Schwarzweiß, der 34 Mark kostete und sich im Fenster des Sport Sohns in Neu-Ulm befand. Das war mein Traum. Ich habe als Reisender im Gaissmaier-Supermarkt Urlaub gemacht, bis ich genug Geld hatte. Dann kaufte ich den Ball und ich war der König. Von diesem Moment an konnte ich wählen, wer spielen könnte.

Genau wie später als Bayern-Manager.

Heute sehe ich kaum Kinder, die auf dem Feld Fußball spielen. Oder wie damals sogar auf der Straße. Es gab jedoch nur ein Auto pro Stunde.

Vor 50 Jahren: Uli Hoeneß in seinem ersten Bundesligaspiel für den FC Bayern gegen den VfB Stuttgart


Heute ist der vermisste Typ eines Straßenfußballspielers, der immer den Ball hat, immer etwas Verrücktes tun will, romantisiert und verzweifelt gesucht. Leute wie dein alter Schatz Frank RibéryWas fehlt ohne es?

Vor allem können sie dribbeln. Passieren und Stoppen werden hauptsächlich im Club gelernt. Der Fußballspieler auf der Straße nimmt den Ball und dribbelt. Wenn meine Enkel hier im Garten treten, sage ich ihnen: Du musst graben. Im heutigen Fußball braucht man Spieler, die einen Gegner stehen lassen können.

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