Truppenabzug: ein Sieg für die USA?

US-Präsident Trump bezeichnete dies als Strafe für das “Versäumnis” Deutschlands, 12.000 Soldaten abzuziehen. Profitieren die USA überhaupt und ist Deutschland nicht schon lange weggezogen?

Von Sylvia Stöber, tagesschau.de

“Deutschland ist die Standardeinstellung”, “Deutschland schuldet der NATO Milliarden von Dollar in US-Dollar” – US-Präsident Donald Trump wird nie müde, die Bundesrepublik als einzigen Gewinn aus der Anwesenheit amerikanischer Truppen in Amerikas Tasche zu präsentieren. Es gibt den amerikanischen Bürgern den Eindruck, dass es ihnen enorme Kosten erspart.

In der Tat, und dies wurde auch von Verteidigungsexperten und Politikern in Deutschland kritisiert, hat die Bundesrepublik ihr Ziel, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, bisher nicht erreicht. Trump hatte sich dieses Ziel nicht gesetzt. Deutschland stimmte dem zu, lange bevor Trump 2002 der NATO beitrat, als SPD-Politiker Peter Struck noch Verteidigungsminister war.

Dies ist ein Maßstab, zu dem sich die NATO-Staaten innerhalb von zehn Jahren bewegen wollten, wie im Abschlussdokument des NATO-Gipfels 2014 in Wales angegeben. 20 Prozent davon sollten in “neue Großgeräte einschließlich entsprechender Forschung und Entwicklung” investiert werden.

Deutschland erreicht 1,58 Prozent

Die Ausrichtung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dient der internationalen Vergleichbarkeit, und es erscheint gerechtfertigt, dass Länder mit großer Wirtschaftskraft wie Deutschland stark in die Verteidigung investieren.

Einerseits stellt sich jedoch die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf – auf der Grundlage des BIP für 2019 sollten 68 Milliarden Euro gesammelt werden. Im November kündigte die Bundesregierung an, dass die NATO 2020 50 Milliarden Euro ausgeben werde. Im Vorjahr waren es 47 Milliarden Euro, eine Steigerung von mehr als 10 Prozent – mehr als je zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges.

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Andererseits ist die Ausrichtung auf das BIP für die Regierung in der Kronenkrise jetzt günstig: Angesichts der derzeit schrumpfenden Wirtschaft schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft, dass der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bundeshaushalt auf 1,58 Prozent steigen wird des BIP in diesem Jahr sollte. Im Jahr 2019 waren es 1,36 Prozent.

Gleicher Anteil der Ausgaben der NATO-Gemeinschaft

Trump erwähnt jedoch weder diese Entwicklungen noch den Anteil der Ausgaben der NATO-Gemeinschaft. Auch Deutschland engagiert sich zunehmend in diesem Bereich: Ende November einigten sich die 29 Mitgliedstaaten auf einen neuen Verteilungsschlüssel: Während der deutsche Beitrag im Jahr 2021 von 14,8 auf 16,35 Prozent steigen wird, beträgt der US-Anteil wird von 22,1 Prozent auf die gleichen 16,35 Prozent sinken.

Deutschland zahlt dann auf der Grundlage der laufenden gemeinsamen Ausgaben 33 Mio. EUR mehr. Die USA sparen 120 Millionen Euro, letztere transferieren bisher fast 470 Millionen Euro – und Deutschland rund 313 Millionen Euro.

Deutschland zahlt für die Anwesenheit amerikanischer Truppen

Was Trump auch nicht sagt: Deutschland ist finanziell an der Anwesenheit amerikanischer Truppen beteiligt. In den letzten sieben Jahren waren dies mehr als 240 Millionen Euro, teilte das Bundesfinanzministerium 2019 auf Antrag der Linken mit.

Demnach werden Pensionsleistungen für ehemalige Mitarbeiter und die Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden gezahlt. Darüber hinaus ist es an den Baukosten des US-Militärs beteiligt. Zwischen 2012 und 2019 plante die Bundesregierung 480 Millionen Euro für militärische Baumaßnahmen von NATO-Partnern in Deutschland, die “fast ausschließlich” den USA zugerechnet werden. Der geplante Umzug außerhalb Deutschlands wird jedoch auch zu Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten führen.

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Brückenkopf in Europa

Bei US-Militäreinrichtungen geht es nicht nur um den Schutz Europas. So sagte Ben Hodges, bis 2017 Kommandeur des US-Militärs in Europa, in einem Interview mit der Deutschen Welle“Viele amerikanische Operationen in Europa, Afrika und im Nahen Osten wurden über Deutschland durchgeführt.” Deutschland ist der wichtigste Verbündete in Europa und ein “Brückenkopf”. Rammsteins militärische Einrichtung soll eine “zentrale Rolle” bei US-Militärdrohnenoperationen spielen.

Darüber hinaus wird der Abzug von rund 12.000 US-Truppen aus Deutschland das US-Budget mehrere Milliarden Dollar kosten und laut Verteidigungsminister Mark Espen einige Zeit in Anspruch nehmen.

Etwa die Hälfte der US-Truppen muss nach Italien und Belgien umgesiedelt werden, die ebenfalls unter Trumps 2-Prozent-Ziel liegen, sagte Hodges. Er sieht die Rückzugsentscheidung als schädliche Beziehung zu Deutschland und als “Geschenk an den Kreml”. Politiker aus dem republikanischen Lager in Washington äußerten sich ähnlich. Es gab auch Warnungen, dass die amerikanische “nationale Sicherheit” gefährdet sein würde.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karenbauer wird es jetzt noch schwieriger finden, den milliardenschweren Kauf von 45 Kampfflugzeugen des US-Herstellers Boeing zu überstehen.

Ein Plus für Trump ist, dass 6.400 amerikanische Truppen nach Hause zurückkehren werden, wenn der Plan auf diese Weise umgesetzt wird. Aber auch wenn er nicht wiedergewählt wird, bleibt der Druck auf Deutschland, mehr für die Verteidigung zu kämpfen. Die Kritik am Engagement Deutschlands und die Forderung nach Rückkehr der US-Truppen weltweit waren lange Zeit weit über Trumps Lager hinaus.


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