Medikamente von Marienkäfern heise online

Marienkäfer entwickeln sich zu einer sich verändernden Apotheke: In der aktuellen pharmazeutischen Forschung konzentrieren sich Wissenschaftler derzeit auf Insekten als mögliche Quellen für neue Wirkstoffe. “Die Wirkstoffe von Insekten haben eine ganz andere Struktur als Pflanzensubstrate und ermöglichen somit neue pharmakologische Ansätze”, sagt Kwang-Zin Lee vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Fraunhofer, Gießen.

Dieser Eintrag stammt aus der Ausgabe 8/2020 des Technology Review. Die Broschüre ist ab dem 16. Juli 2020 im Handel und direkt im heise-Laden erhältlich. Highlights aus dem Buch:

Besonders beeindruckt war er vom asiatischen Harlekin-Marienkäfer. “Es produziert über fünfzig verschiedene antimikrobielle Peptide und ist damit ein Rekord unter Insekten.” Das Wirkungsspektrum der Substanzen ist breit. Dazu gehören Verbindungen, die Tuberkulose-Bakterien und Substanzen gegen Malaria-Plasmodien abtöten.

Forscher aus Gießen bemerkten den Käfer, weil er besonders resistent gegen andere Familienmitglieder ist. Seit Jahrzehnten hat es Hunderte von Blattläusen in Gewächshäusern und Obstgärten zerstört und wird auch in dieser Rolle geschätzt. Aber von dort aus haben sich die schwarzen Punkte der Marienkäfer weit verbreitet und sind mit sieben Punkten zu einer globalen Bedrohung für den Marienkäfer geworden.

Ihre Überlegenheit basiert auf den Antikörpern, die sie sprühen. Die Gründer von Gießen fanden in den Säften des Marienkäfers eine bestimmte Substanz in großen Mengen. Wissenschaftler namens Harmonin; kommt vom lateinischen Namen für den Harlekin-Käfer: Harmonia axyridis. “Die Harmoninkonzentration in seiner Körperflüssigkeit ist höher als unsere Blutzuckerkonzentration”, sagt Lee. Er hofft auf ein neues Malariamittel. “Die meisten Malariamedikamente sind bisher nur gegen bestimmte Stadien des Parasiten wirksam”, sagt Lee. “Aber Harmonin wirkt gegen alle Formen von Plasmodium.”

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Es bleibt abzuwarten, ob der Wirkstoff tatsächlich kranken Menschen hilft. Forscher wurden gewarnt: In den späten 1990er Jahren interessierten sich Forscher und Pharmaunternehmen bereits für Insektenmedikamente. Die Pharmagiganten BASF, Schering, Pfizer und Bayer nutzten damals die Insektenforschung. Biotechnologieunternehmen mit Namen wie Entomed, Entocosm oder Evolutec haben viele Substanzen erforscht und patentiert. Spätestens Mitte der 2000er Jahre verschwanden sie jedoch wieder. Die Substanzen waren für die damaligen Methoden zu komplex und ihre Herstellung zu kompliziert. Die Industrie bevorzugt künstliche Moleküle, die einfacher zu synthetisieren und zu untersuchen sind.

In der Zwischenzeit haben sich die genetischen und analytischen Fähigkeiten jedoch erheblich verbessert. Mit Methoden wie Crispr scheint es einfacher zu sein, die Geheimnisse von Insekten und ihren Wirkstoffen zu entschlüsseln, die von anderen branchenverträglichen Organismen wie Bakterien oder Zellkulturen produziert werden. Lee glaubt jedoch, dass es noch fünf bis zehn Jahre dauern wird, bis eine Vielzahl von Insektenschutzmitteln in Apotheken erscheint.

Weitere Informationen zum Thema “Insektenapotheke” finden Sie unter eine neue August-Ausgabe von Technology Review (jetzt im Heise Store erhältlich) und sind in gut erhaltenen Zeitungen erhältlich).


(Verrottung)

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