Oktober 28, 2021

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Gibt es mehrere andere von Corona bedrohte Infektionen? | Freie Presse

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Princeton / Hamburg (dpa) – Die aktuellen Hygiene- und Entfernungsregeln reduzieren nicht nur die Ausbreitung von Covid-19, sondern auch andere Infektionskrankheiten wie Influenza und Erkältungen.

Laut einer Simulationsstudie warnen US-Forscher nun davor, dass der vorübergehend verringerte Kontakt mit anderen Krankheitserregern dazu führen könnte, dass Menschen nach Aufhebung der Koronamaßnahmen anfälliger für solche Infektionen werden. Unabhängige deutsche Experten betonen, dass die Arbeit viel Spekulation enthält und nicht falsch interpretiert werden sollte.

Abnahme anderer Infektionskrankheiten

Corona-Maßnahmen, die in vielen Ländern üblich sind, wie Abstand halten und Masken tragen, schützen nachweislich vor Covid-19, schreibt das Team unter der Leitung der Epidemiologin Rachel Baker von der Princeton University (US-Bundesstaat New Jersey) in “Proceedings” von US National Akademie der Wissenschaften (“PNAS”). Dies gilt auch für andere Infektionskrankheiten. “In jüngster Zeit wurde an vielen Orten auf der Welt ein Rückgang der Fälle von multiplen Atemwegserregern beobachtet.”

Erst Ende Oktober – nach dem Ende des Winters auf der südlichen Hemisphäre – berichteten Forscher in der Zeitschrift “The Lancet” über ein frühes niedriges Influenza-Niveau in Australien und Neuseeland. Als Erklärung für das Phänomen verwiesen sie auch auf Korona-Maßnahmen wie Abstand halten, Mund- und Nasenschutz und Schulschließungen.

Modellsimulation der Verwundbarkeit

Das Baker-Team geht davon aus, dass solche Maßnahmen und der verringerte Kontakt mit Krankheitserregern später die Anfälligkeit der Bevölkerung für verschiedene Infektionen erhöhen können. Mithilfe verschiedener Modelle simulierten die Forscher, wie sich die Eliminierung von Koronamaßnahmen auf zwei saisonale Krankheitserreger auswirken könnte: Influenza-A-Influenzavirus (IAV) und Respiratory Syncytial Virus (RSV), das insbesondere bei kleinen Kindern Atemwegserkrankungen verursacht. Nach ihren Schätzungen ist die Zahl der RSV-Übertragungen in den USA seit Einführung der Koronamaßnahmen um etwa 20 Prozent gesunken.

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Auf dieser Basis berechnen die Autoren, dass selbst kurzfristige Maßnahmen zu einer Verzögerung der RSV-Infektionen mit Verzögerung führen können. In der Simulation für die USA und Mexiko würden die meisten RSV-Fälle im Winter 2021/22 auftreten. Das Team kam zu ähnlichen Ergebnissen in Bezug auf saisonale Grippe-A-Ausbrüche. Die Autoren selbst geben jedoch zu, dass Vorhersagen über Grippewellen problematisch sind, vor allem aufgrund der Vielfalt dieser Viren und der unterschiedlichen Wirksamkeit bestehender Impfstoffe.

Influenza-Wellen unvorhersehbar

Dies ist tatsächlich eine Schwachstelle in der Studie, sagt die Virologin Gülsah Gabriel vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg, die nicht an der Studie beteiligt war. «Influenza-A-Viren können modifiziert und angepasst werden. Diese Virusentwicklung ist ein dynamischer Prozess, der nicht modelliert werden kann. “”

Der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg ist ebenfalls dagegen, dass eine solche Dynamik in mathematischen Modellen kaum erfasst werden kann: “Es könnte zu einer übermäßigen Influenza-Welle kommen, aber auch das Gegenteil”, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektionskrankheiten (DGI). Die Aussagen der Studie sind spekulativ.

Folgen erst nach mehrjähriger Abstinenz von Krankheitserregern

“Wenn wir drei Jahre lang alle Viren von uns fernhalten würden, wäre dies sicherlich problematisch für unser Immunsystem”, betont Salzberger. Die meisten Menschen würden jedoch nicht die ganze Zeit eine Maske tragen, sondern nur für kurze Zeit. Die jahrelange Abstinenz von Krankheitserregern ist ebenfalls unrealistisch, da verschiedene Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 bereits gut entwickelt sind.

Der Virologe Gabriel warnt insbesondere vor einer Fehlinterpretation der Studienergebnisse als Argument gegen Koronamaßnahmen – zum Beispiel vor dem Tragen von Mund- und Nasenschutz. Dies ist derzeit besonders wichtig, um auch das Risiko einer Koinfektion zu verringern. Wenn Sie sich mit dem Grippevirus und einem anderen Krankheitserreger infizieren würden, wäre die Kombination viel schwerwiegender.

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Darüber hinaus sollten insbesondere Risikogruppen gegen Influenza geimpft werden. Daher ist es wichtig, in den kommenden Wintern ausreichende Grippeimpfungen bereit zu halten.

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