“Er wird es nicht vergessen”: Staatsoberhäupter sollten nicht zu früh gratulieren

Der frühere EU-Spitzenpolitiker Jean-Claude Juncker warnt die EU-Staatsoberhäupter, sich nicht zu schnell zum Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen zu äußern. Weil es Probleme verursachen kann.

Der frühere Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, rät den europäischen Staats- und Regierungschefs, keine zu klaren Präferenzen für das Ergebnis der US-Wahlen auszudrücken. Es ist nicht angebracht, klar für einen Sieg des aktuellen Donald Trump oder seines Herausforderers Joe Biden zu sprechen, sagte Juncker gegenüber der europäischen Studie der ARD in Brüssel. Wenn Trump beispielsweise wieder Präsident wird, müssen Sie auch mit ihm leben.

Juncker warnte auch davor, Glückwünsche zu senden, bevor das Wahlergebnis endgültig ist. Sollte es der andere sein, wird er es nicht vergessen. “Vorsicht ist die Mutter der transatlantischen Porzellankiste”, sagte der 65-Jährige, der auch viele Jahre lang Premierminister von Luxemburg war. In den Vereinigten Staaten wird der Präsident diesen Dienstag gewählt.

Republikaner Trump läuft für eine zweite und letzte Amtszeit. Der Demokrat Biden will ihn im Weißen Haus ersetzen. Im von der Koronapandemie dominierten Wahlkampf warnten sowohl Trump als auch Biden vor den verheerenden Folgen eines Sieges des jeweiligen Gegenkandidaten. In der EU zum Beispiel ist der ungarische Premierminister Viktor Orban ein Sympathisant für Trump. Vor allem wird gesagt, dass viele westeuropäische Staats- und Regierungschefs Biden eindeutig bevorzugen.

“Wollen Sie die Brücke über den Atlantik erneuern?”

Bundesaußenminister Heiko Maas sieht in den Wahlen den Weg für die Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt. Er forderte die amerikanischen Politiker auf, das Wahlergebnis anzuerkennen. “In einer Demokratie gehört es natürlich dazu, bis zur letzten Sekunde Stimmen zu gewinnen und die Wähler zu überzeugen – aber dann ihren Willen zu respektieren”, sagte Maas gegenüber dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”. Die Verfassung und die Institutionen der Vereinigten Staaten haben bereits “vielen Stürmen standgehalten, und diesmal auch.”

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Die Wahl ist auch eine Frage des “Quo Vadis” in der transatlantischen Beziehung, sagte Maas gegenüber RND. “Irgendwie wird es keine Abfahrt zu alten Ufern geben. Die Frage ist, ob wir als transatlantisches Team wieder ‘vorwärts’ spielen.” Auf jeden Fall sei sich das deutsche Volk des Wertes der deutsch-amerikanischen Freundschaft sehr bewusst, betonte Maas. “Unsere Botschaft an Washington lautet: Wir wollen die Brücke über den Atlantik erneuern. Wir wollen in unsere Brückenbauer investieren.”

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